Umgefallen – Freistaat ohne Rückgrat

Drei Versuche und fast ein Jahr hat es gebraucht, bis der Landkreis Bautzen und das Sächsische Umweltministerium (SMUL) nach inzwischen über 150 gerissenen Nutztieren im Rosenthaler Wolfsterritorium  in 3 Jahren ein Einvernehmen darüber erzielten, dass hier wenigstens ein Wolf zu entnehmen sei.

Gerade einmal  4 Tage hat es gebraucht, bis nach einem shitstorm in den sozialen Medien, einer Belagerung des Territoriums durch Tierrechtler zweifelhafter Herkunft und dem Einspruch einer Naturschutzorganisation beim Verwaltungsgericht Dresden die Abschussgenehmigung sang und klanglos zurückgezogen wurde.

Was ist geschehen im Freistaat Sachsen? Man hat nichts anderes versucht, als nach Recht und Gesetz so zu handeln, wie es auch der durchaus umstrittene Managementplan für den Wolf in Sachsen vorsieht. Schließlich war man sich in Sachsen einig, dass hier etwas zum Schutz der Weidetierhaltung und letztlich auch zur Wahrung eines Restes von Akzeptanz für den Wolf zu tun war. Dies mit Sicherheit auch in dem Bewusstsein, dass jegliche Maßnahme „gegen“ den Wolf in gewissen Kreisen den Rang einer Gotteslästerung hat und mit entsprechendem Widerstand zu rechnen war.

Umso wichtiger wäre es gewesen, das erforderliche Antragsverfahren absolut korrekt und rechtssicher abzuwickeln, um sich die Peinlichkeit dessen, was nun mit der Aussetzung der Abschussverfügung geschehen ist, zu vermeiden. Den Eilantrag der Grünen Liga Sachsen beim Dresdner Verwaltungsgericht hätte man dann in Ruhe zur Kenntnis nehmen können, so aber ist man eingeknickt. Eingeknickt vor einer Organisation, die sich bis dato nicht um den Wolf in Sachsen oder anderswo gekümmert hat, geschweige denn konstruktive Beiträge zum Thema Großprädatoren in der Kulturlandschaft geleistet hätte.

Woher kommt plötzlich diese Motivation in der Grünen Liga Sachsen? Man hat Verstärkung aus dem Westen bekommen, von dort, wo es Wölfe bisher nur in Zoos und Gehegen gibt, denn im Raum Frankfurt sind Deutschlands Wölfe bisher nur als Verkehrsopfer in Erscheinung getreten. Die Betreiber der Seite „wolfsschutz-deutschland.de“, die sich als Verein im Verein „Grüne Liga Sachsen e.V.“ bezeichnen und sich dessen Impressums bedienen, werden zwar namentlich vorgestellt, sind aber weder persönlich noch per Email erreichbar. Direkt erreichbar ist aber nur eine Rufnummer in Hanau bei Frankfurt/Main und die Mailadresse der Pressesprecherin. Man wirbt damit, dass man in Sachsen vor Ort sei, ist dort aber nur über eine Briefkastenadresse erreichbar. Ein Schelm wer Böses dabei denkt.

Fachliches und mediales Auftreten dieses Vereins haben in der jüngeren Vergangenheit selbst bei erklärten Fürsprechern des Wolfes in Deutschland für ausdrückliches Missfallen gesorgt. Was jetzt geschehen ist und dessen man sich in der Selbstdarstellung rühmt, ist bestens geeignet, die letzte Akzeptanz für den Wolf nicht nur in der Lausitz zu vernichten. Diese Vernichtung geht nicht ohne Kollateralschäden ab:

Naturschutz, soweit nicht in der lokalen Bevölkerung verankert und stattdessen von außen gesteuert, wird in der Lausitz kaum noch eine Chance haben.

Eine Grüne Liga Sachsen, die sich derartiger auswärtiger Hilfstruppen bedient oder diese unter ihrem Dach beherbergt, entledigt sich ihrer Glaubwürdigkeit als Naturschutzorganisation.

Der Konsens zwischen einer Landbevölkerung, die letztlich auch für die Städter die Landschaft erhält, in der sie sich erholen wollen und ihre Freizeit verbringen und einer Minderheit eben dieser Städter, die jenseits ihrer Vorstädte von einer Wildnis träumen, die es in unserer Kulturlandschaft nicht geben kann.

Auf der Strecke bleiben am Ende die Schäfer im Territorium des Rosenthaler Rudels. Ungeachtet ihrer sichtbaren Bemühungen, Übergriffe der Wölfe zu verhindern, waren sie in den vergangenen Wochen einer ekelhaften Lügenkampagne und den Belästigungen selbsternannter Tierrechtler ausgesetzt, die meinten, sie müssten ihre abstrusen Vorstellungen einer Bevölkerung auszwingen, die mit ihrer traditionellen Lebensweise und der betriebenen extensiven Weidewirtschaft genau die Lebensräume in der Kulturlandschaft erhalten, die für den Natur- und Artenschutz so wichtig sind. Je mehr diese Weiden, sei es für Schafe oder Mutterkuhherden, durch immer engmaschigere Zäune mit noch mehr Strom verbarrikadiert werden, umso weniger Naturschutz bleibt möglich.

Es entsteht zunehmend der Eindruck, dass genau diese „Tierrechtler“ am liebsten die Schäfer ausrotten wollen, damit ihre geliebten Wölfe sich auch schön ausbreiten können.

NEIN! Die Lausitz ist eine Kulturlandschaft und kein Wolfszoo. Auch die Lüneburger Heide möchte dazu nicht verkommen. Was wir brauchen, sind Politiker und Verwaltungen, die das einsehen und konsequent gegenüber auswärtigen Andersdenkenden auch durchsetzen – PUNKT.

 

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