Über Wölfe in Polen - Gastkommentar

Im November 2017 hat ein Bürger der ostpolnischen Stadt Bialystok einen Wolf gefangen, einen echten Wolf, eigentlich eine Wölfin. Das junge Tier lief orientierungslos durch die Straßen, ließ sich problemlos an eine Leine nehmen und wurde in die örtliche regionale Direktion für Naturschutz gebracht. Über diesen Vorfall berichtete die lokale polnische Presse.

Die völlig gesunde Wölfin wurde vermutlich als Welpe gefangen und blieb bis November in menschlicher Obhut. Das Tier wurde anschließend in das Wolfgehege bei der Oberförsterei Olsztynek gebracht (in der Nähe von Allenstein in Masuren), wo sich mehrere Gehege befinden, wo aufgefundene, verletzte und kranke Wölfe aus ganz Polen vorübergehend untergebracht werden. Zuständig und verantwortlich für das Gehege ist der polnische Staatsforst.

Im März 2018 fiel die Entscheidung die Wölfin „auswildern“ zu lassen. Dies sollte zusammen mit der Aussetzung eines Wolfsrüden erfolgen, der in der Nähe von Torun (Thorn) angefahren worden war und ebenfalls mehrere Monate im Gehege bis zu seiner Genesung gehalten wurde. Maßgeblich und beratend wirkte an dieser Entscheidung Fr. Dr Sabina Nowak, international anerkannte Wolfsexpertin, Mitglied der LCIE, Mitautorin mehrerer BfN Skripts mit. In dem beigefügten Filmmaterial des lokalen Senders TV Olsztyn versichert sie den Zuschauern: „In Wahrheit träumen diese Tiere von der Freiheit, von der Rückkehr zu Ihren Rudeln, Familien und haben Sehnsucht nach dem Wald, wo sie geboren wurden.“ Dank kompetenter und auf langjähriger Forschung basierenden Beratung der internationalen Wolfsexpertin wusste man zwar, was die beiden  Wölfe träumen, aber ob die junge Wölfin in der Lage sein würde selbständig zu jagen, und ob sie gelernt hat, Beutetiere zu töten, das wusste man nicht. Die Wolfsträume - und Sehnsüchte erklärt dem Publikum Frau Dr. Nowak , internationale Wolfsexpertin in diesem Fernsehbeitrag.

Mit großem Pomp und vielen Kameras feierte man kurze Zeit später die „Rückkehr zur Natur“ der beiden Wölfe, die natürlich vorher getauft worden waren - auf die Namen „Mikolaj“ ( Nicolai) und „Harda“ (Die Unbeugsame) . Ob an der Taufe ein katholischer Priester beteiligt war, ist nicht bekannt. Polnische Medien schweigen darüber. Die Wölfe wurden im Waldkomplex bei Bydgoszcz (Bromberg) freigelassen – über 200 Kilometer von Bialystok, wo die junge Wölfin gefunden worden war. Beide Wölfe wurden von Frau Dr. Nowak besendert. Wer die Besenderung finanzierte ist. z. Zt. nicht bekannt.

Quelle: http://lubawa.wm.pl/498633,Wilki-Mikolaj-i-Harda-na-wolnosci-Film-z-akcji.html

Den an der „Befreiungsfeier“  beteiligten Förstern sollten dabei – wenn man dem,  etwas infantil anmutenden, Bericht der Oberförsterei Olsztynek glaubt – Tränen in den Augen gestanden haben.

Knapp zwei Wochen später melden die lokalen Medien, dass sich im Park der Stadt Solec Kujawski ein Wolf aufhält. Wie aus den spärlichen Berichten der Autoren dieses „Auswilderungserfolgs“ hervorgeht, trennten sich die beiden Wölfe kurze Zeit nach der Freilassung. Die junge Wölfin hat anscheinend mehr von Mülltonnen als vom Leben im Wald geträumt. Auch international anerkannte Wolfstraumdeuter können sich irren. Da sich die Einwohner der Stadt von den Wolfsbesuchen zunehmend belästigt und beunruhigt fühlten, wurde die Wölfin in einer aufwendigen , mehrtägigen Aktion wieder eingefangen und zurück ins Gehege gebracht.

https://www.lasy.gov.pl/pl/informacje/aktualnosci/historia-201ehardej201d-bez-happy-endu

Auf den Kosten dieses - in jeder Hinsicht fragwürdigen Experiments - blieb der polnische Staat sitzen. Die Wölfin wird ihr Leben im Gehege verbringen und der freigelassene Rüde Mikolaj soll sich bereits über 100 Kilometer von der Stelle entfernt haben, wo die beiden freigelassen wurden. Kein Happy End.

Fast genau drei Monate später kam es zu Vorfällen in Bieszczady Gebirge. Wo nach einer Touristin auf einem Campingplatz zwei Kinder vom Wolf gebissen wurden. Die gleiche internationale Wolfsexpertin äußert im Interview für den Sender TVN24 , dass sich bei dem erschossenem Wolf um ein Tier handeln könnte, welches - wie die von ihr „ausgewilderte“ Wölfin Harda – in der Gefangenschaft aufwuchs, dann frei und gefährlich wurde.

Es wird spannend, welche praktischen Erkenntnisse das polnische Wolfsmanagement aus diesem Fall mit drei Personenschäden in kurzer Zeit gewinnen wird. Es heißt bereits, dass dieser Wolf nicht alleine war.

A.K.

  HOME                                                                                                                                                    DRUCKEN